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DAS ENNEAGRAMM

Sich selbst und andere besser verstehen 

Unser Denken, Fühlen und Handeln basiert auf einem bestimmten Charaktermuster, das uns meist nicht bewusst ist. Dadurch werden wir von Programmen gelenkt, die unser Leben stark beeinflussen. Mithilfe des Enneagramms können wir ihnen auf die Schliche kommen und bewusst an der Entfaltung unserer Persönlichkeit sowie an unserem Seelenwachstum arbeiten.

Enneagramm („ennea“ bedeutet auf griechisch „neun“) ist ein universales Symbol, ein Neuneck, das aus einem Kreis, einem Dreieck und einem unregelmäßigen Sechseck besteht. Der Kreis, so heißt es, stellt den Lauf der Zeit und die funktionale Welt dar, das Sechseck steht für die inneren Prozesse und das Dreieck repräsentiert den bewussten Willen. Man weiß bis heute nicht, woher genau das Enneagramm stammt und wie es ursprünglich entstanden ist, Spekulationen gibt es allerdings viele. So spricht man sowohl von griechischen, jüdischen, islamischen, altbabylonischen als auch altägyptischen Quellen. Es war auch schon im 4. Jahrhundert bei den christlichen Wüstenvätern bekannt.

In den Westen kam das Enneagramm durch den aus dem Kaukasus stammenden spirituellen Lehrer G. I. Gurdjieff (1866-1949), der in seiner Schule des „Vierten Weges“ damit arbeitete. Viele namhafte Künstler und bekannte Persönlichkeiten suchten Gurdjieffs „Institut zur harmonischen Entwicklungs des Menschen“ in der Nähe von Paris auf, darunter P. D. Ouspenksy (1878 – 1947), der das Enneagram1949 durch die Veröffentlichung seines Buches „Auf der Suche nach dem Wunderbaren“ einem größeren Kreis zugänglich machte. Auch die Schriftsteller P. D. John G. Benett, die Musikerin Jeanne de Salzmann und der Pianist Thomas de Hartmann gehörten zu Gurdjieffs Schülern. Gemeinsam mit de Hartmann komponierte Gurdieff mehr als 300 Stücke seiner so genannten „Sacred Dances“, die er später auch choreografisch umsetzte. Gurdjieff selbst gab stets an, sein Wissen über das Enneagramm auf ausgedehnten Reisen in Zentralasien erworben zu haben. In diesem Zusammenhang wird der alte Sufi-Orden der „Naqshbandis“ erwähnt, eine mystische Strömung im Islam, die mit dem Enneagramm gearbeitet haben soll.

1984 erlebte das Enneagramm eine Renaissance durch nordamerikanische Jesuiten, die durch den chilenischen Psychotherapeuten und Psychiater Claudio Naranjo mit der Weisheit des Enneagramms in Kontakt gekommen waren. Naranjos Lehrer wiederum war der aus Bolivien stammende Psychologe Oscar Ichazo, der die „Persönlichkeitstheorie“ entwickelt und 1968 in den USA die „Arica-School“ gegründet hatte, in der altes Wissen vermittelt wurde. Der Jesuitenpater und Psychoanalytiker Don Richard Riso beschäftigte sich intensiv mit dem Enneagramm und wurde mit seinem Buch Die Weisheit des Enneagramms zum Erfolgsautor. Helen Palmer, eine amerikanische Psychologin, machte vor allem innerhalb der humanistischen Psychologie als Enneagramm-Kennerin von sich reden. Bei diesem psychologischen Ansatz ist auch die Arbeit Sigmund Freuds, Carl Gustav Jungs und das Typensystem von Myers-Briggs(BMTI) integriert, das in der Jungschen Psychologie zur Einschätzung der Persönlichkeit verwendet wird.
Durch die jesuitische Exerzitienarbeit gelangte das Enneagramm schließlich auch nach Deutschland. Die bekanntesten Vertreter dieser Richtung, die in einem christlichen Kontext steht, sind der Franziskanerpater Richard Rohr und der protestantische Pfarrer Andreas Ebert, die ihr Wissen in dem Buch Das Enneagramm – die neun Gesichter der Seele weitergaben. 1989 gründeten sie aufgrund des großen Interesses den bis heute bestehenden „Ökumenischen Arbeitskreis Enneagramm“.

Wie funktioniert das Enneagramm?

Das Enneagramm beschreibt neun Persönlichkeitstypen, auch Archetypen genannt, und liefert eine Erklärung dafür, warum wir so sind, wie wir nun einmal sind. In der Redewendung „Ich kann nicht aus meiner Haut heraus“, wird dies auf einfache Weise deutlich. Oft spürt man, dass man eigentlich aus seiner Haut heraus sollte, erkennt also die Notwendigkeit einer Veränderung,  weiß aber nicht, wie und was genau man tun soll, um eine Veränderung herbeizuführen. Mithilfe des Enneagramms kann man erkennen, wo man gefangen ist und sich aufgrund unbewusster Verhaltensmuster ewig im Kreis dreht. Hat man aber den roten Faden in der eigenen Biographie erst einmal entdeckt, in der Sprache des Enneagramms heißt dies, dass man seine Fixierung erkannt hat, kann die innere Arbeit beginnen. Wohin sie führt, kann niemand sagen, denn bei dieser Selbsterforschung handelt es sich um einen dynamischen Entwicklungsprozess, der im besten Fall zu einem Ankommen im eigenen Kern und damit zu einem authentischen und erfüllten Leben führt.

Die neun Leidenschaften 

Die neun Typen, auch Punkte oder Fixierungen genannt, sind die Charaktermuster, die uns in einer bestimmten Schablone festhalten. An jedem Punkt werden bestimmte Muster des Denkens, Fühlens und Wahrnehmens beschrieben und die Hintergründe dieser Muster aufgezeigt. Kennt man seine Fixierung nicht - man spricht auch von den neun Leidenschaften Zorn, Stolz, Eitelkeit, Neid, Habsucht, Angst, Gier, Wollust und Bequemlichkeit -  handelt man automatisch, einem Roboter vergleichbar. Man wiederholt ständig die gleichen negativen Muster, die ein inneres Wachstum verhindern.
Diese Leidenschaften wurden in der Kindheit oft als Strategien zum Überleben entwickelt und waren sozusagen Notlösungen, die aus der vom Kind erlebten Not entstanden sind. Einer Not, die z. B. dadurch entstehen kann, dass ein Kind sich anpassen muss, um geliebt zu werden oder nicht erwünschte Äußerungen unterdrücken musste. Damals hatten die daraus entstehenden Fixierungen durchaus einen Sinn, verhindern jedoch später eine adäquate Weiterentwicklung. Die Leidenschaften sind das Gerüst unserer Persönlichkeit, wir brauchen sie also zunächst einmal, aber gleichzeitig sind sie auch die Verursacher unserer Illusionen. Man kann sie mit zwanghaften Vorstellungen vergleichen, die eine neutrale Wahrnehmung und damit eine freie Entfaltung verhindern. Mithilfe des Enneagramms kann man seine Hauptleidenschaft erkennen und einerseits an der Persönlichkeit, andererseits aber auch am seelischen Wachstum arbeiten. Durch die Arbeit mit dem Enneagramm verbessern sich ganz nebenbei auch die Beziehungen zur Umwelt, sei es in der Familie, in Liebesbeziehungen, bei der Arbeit, mit Freunden. Der Lebensradius erweitert sich, da man sich selbst und die anderen plötzlich viel besser wahrnehmen und dadurch auch besser verstehen kann.

Verschiedene Ansätze

Grundsätzlich gibt es zwei große Richtungen innerhalb der Enneagrammarbeit. Die eine verwendet das Enneagramm vorwiegend zur Entfaltung der Persönlichkeit. Die andere betrachtet die Enneagrammarbeit als einen Weg zur spirituellen Transformation, als eine Möglichkeit des inneren Erwachens. Gurdjieff, der als Vater der modernen Enneagrammarbeit betrachtet werden kann, betonte die zweite Variante. Er sprach von der „heiligen Arbeit“ im Sinne einer Ego-Transformation, die in die „vierte Dimension“, eine neue Wahrnehmung und Daseinsebene, führen sollte.
Anfangs war das Enneagramm noch nicht mit der humanistischen Psychologie verknüpft, die ja eine Errungenschaft der Neuzeit ist. Die Weisheit des Enneagramms lässt sich allerdings sehr gut in die psychologische Arbeit integrieren. So wird dort u. a. zunächst einmal versucht, Kindheitsverletzungen aufzuarbeiten und ein stabiles Erwachsenenego herzustellen, das in dieser Welt bestehen kann. Dazu ist eine gefestigte Persönlichkeit notwendig und in diesem Sinne kann das Enneagramm als Weg zur Persönlichkeitsentwicklung betrachtet werden.
Wer jedoch nicht nur überleben, sondern im wahrsten Sinne des Wortes zu einem neuen Leben erwachen möchte, für den wird die Arbeit mit dem Enneagramm ein Weg, der zum Wesenskern, zum inneren Erwachen, man könnte auch sagen zur Erleuchtung führt. Im Grunde entscheidet jeder für sich selbst, welchem Weg er folgen kann und will. Das Enneagramm hält alle Türen offen. Wie Gurdjieff seinerzeit aber schon warnte, soll es nicht zu rein persönlichen Zwecken „missbraucht“ werden. Man sollte sich also nicht darauf konzentrieren, im Sinne der Selbstbehauptung besser zu funktionieren, um etwa andere ausstechen oder übervorteilen zu können, sondern das Enneagramm als Landkarte zur seelischen Entwicklung sehen.

Flügel, Pfeile und Subtypen
Jeder Mensch hat einen ganz bestimmten Typus. Ein Typ kann jedoch, und dies ist eigentlich der Normalfall, auch Züge seiner Nachbartypen aufweisen. So kann z. B.  Typ 7 auch die Eigenschaften seiner beiden Nachbartypen 6 und 8  aufweisen. Diese Nachbarpunkte werden auch Flügel genannt. Sie beeinflussen insbesondere die äußeren Verhaltensebenen. So wird z. B. eine Sechs mit einem starken Flügel zur Sieben lebendiger und lebenslustiger erscheinen, als eine Sechs mit Tendenz zur Fünf, die vermutlich gehemmter wirken wird. In der Tiefe jedoch sind beide mit den Themen Angst und Zweifel konfrontiert, mit dem Ringen um authentischen Mut, um echtes Vertrauen in das Leben und in sich selbst.
Auch die Pfeile einer Fixierung, die jeweils mit zwei anderen Punkten verbunden sind, spielen eine große Rolle. Steht beispielsweise eine Siebener-Persönlichkeit unter Stress, so wird sie durch Punkt 1 beeinflusst, d. h. sie wird z. B. kritisieren oder kontrollieren, während sie in ruhigeren Zeiten durch Punkt 5 beeinflusst wird, was u. a. zu größerer Toleranz führen kann. Ist man entspannt, nimmt man generell die positiven Eigenschaften der untereinander verbundenen Typen an. Dies vollzieht sich in der Reihenfolge 1-7-5-8-2-4-1 und 3-6-9-3. Punkt 1 geht zu Punkt 7, dieser bewegt sich zu Punkt 5 usw. Bei Stress verläuft das Ganze in die Gegenrichtung, man nimmt dann die jeweils negativen Eigenschaften an, also etwa die von Punkt 1, dann von Punkt 4 usw. Die Pfeile stellen sehr dynamische Werkzeuge der Entwicklung dar.
Neben den Flügeln und Pfeilen existieren drei Subtypen, in die jeder einzelne Typ aufgegliedert bzw. weiter differenziert wird. Es sind dies der selbst erhaltende, der soziale und der sexuelle Untertyp. Die Selbsterhaltung betrifft alles, was die Menschen tun, um am Leben zu bleiben. Der soziale Bereich umfasst zwischenmenschliche Beziehungen allgemein, und der sexuelle Bereich konzentriert sich auf Zweierbeziehungen. Diese Unterteilung wurde von Naranjo verwendet und basiert auf der Instinkt-Theorie, die davon ausgeht, dass dies die drei Urinstinkte sind, von denen jeder Mensch gesteuert wird.

Kopf, Herz und Bauch

Die drei menschlichen Intelligenz- bzw. Energiezentren sind Kopf (Verstand/Sicherheit), Herz (Emotionen/Beziehung) und Bauch (Instinkt/Autonomie). Jedes Zentrum enthält je drei Fixierungen.
Die Punkte 5, 6, und 7 gehören zu den mit dem Verstand operierenden Kopftypen und haben die Angst als Grundthema. Menschen, die zu diesem Typus gehören, suchen vor allen Dingen Sicherheit. Die Punkte 2, 3 und 4 werden den Herztypen zugeordnet. Ihr Grundthema ist die Beziehung zu anderen Menschen. Sie werden von ihren Gefühlen geleitet. Bei den instinktiven Bauchtypen, dazu gehören die Punkte 1, 8 und 9 dominiert der Wille. Autonomie um jeden Preis ist für sie wichtig.

Welcher Typ bin ich?

In den meisten Enneagramm-Büchern gibt es Tests, mit deren Hilfe man seiner Fixierung auf die Spur kommen kann. Auch im Internet werden kostenlose Tests angeboten. Doch all diese Tests stellen nur ein erstes Hilfsmittel dar, im Grunde ist damit keine eindeutige Zuordnung möglich, denn einerseits sind die Tests nicht perfekt und andererseits ist man bei der Beantwortung der Fragen nicht unbedingt absolut neutral. Es kann also immer zu Fehleinschätzungen kommen. Um die jeweilige Fixierung tatsächlich zu erkennen, sollte man unbedingt das Gesamtbild eines Menschen berücksichtigen. Dazu gehören z. B. sein Wertesystem, typische Verhaltensweisen, die mentale Einstellungen und auch die Kommunikationsstrukturen. Aus dem Körper kann man ebenfalls wertvolle Rückschlüsse anhand des Körperbaus, der Haltung, des Gangs, der Gesichtsform und der Körpersprache ziehen. Ein erfahrener Enneagrammlehrer kann natürlich in jedem Fall bei der Einschätzung wertvolle Hilfestellung geben.

Typ 1 - Der Perfektionist
Einser möchten möglichst korrekt leben und sich und ihre Umwelt ständig verbessern. Oft fühlen sie sich anderen moralisch überlegen und neigen zur Kritik.

Grundmotto: Ich habe Recht.
Stärken: moralisch, verlässlich, klug, idealistisch, gerecht, ehrlich, ordnungsliebend und diszipliniert.
Schwächen: dogmatisch, urteilend, zwanghaft, kritisierend, kontrollierend, ängstlich, eifersüchtig;
Kindheitsprägung: Nur wer vollkommen ist, ist liebenswert, also muss ich mich anstrengen.
Wachstumsschritt: Wenn Sie es schaffen, das permanente Urteilen und Richten aufzugeben, kann in Ihnen eine heitere Gelassenheit entstehen, die Ihr Leben lebenswert macht.

Affirmation: Ich akzeptiere die Gesetze des Universums!

Typ 2  - Der Helfer und Geber

Zweier suchen Sicherheit durch Liebe. Sie sehnen sich nach Liebe und Anerkennung und möchten um ihrer selbst willen geliebt werden.
Grundmotto: Ich muss Opfer bringen.
Stärken: sozial, fürsorglich, liebevoll, anpassungsfähig, großzügig, einfühlsam, begeisterungsfähig
Schwächen: abhängig, hysterisch, besitzergreifend, manipulierend, aufopfernd, sich unentbehrlich machen
Kindheitsprägung: Wenn man selbst liebt, bekommt man auch Liebe von anderen.
Wachstumsschritt: Ihr Stolz, z. B. auf ihre großartige Liebesfähigkeit, hindert Sie daran, wahre Liebe zu erleben. Mehr Demut bringt mehr Liebe in ihr Leben.
Affirmation: Ich öffne mich für die bedingungslose Liebe!

Typ Drei - Der Macher 
Dreier legen Wert auf Erfolg und Produktivität. Sie stehen gerne im Mittelpunkt, möchten stets kompetent erscheinen und hassen Misserfolge.
Stärken: zielorientiert, optimistisch, zuversichtlich, arbeitsam, antriebsstark, praktisch
Schwächen: eigensüchtig, großspurig, eitel, oberflächlich, rachsüchtig, aggressiv, erfolgsbesessen
Kindheitsprägung: Wenn ich viel leiste, bin ich gut.
Wachstumsschritt: Durchschauen Sie die Scheinwelt, die zerbrechliche, äußere Fassade, die Sie gefangen hält. Werden Sie wahrhaftig und dadurch frei.
Affirmation: Ich vertraue auf die Sprache meines Herzens!

Typ 4 - Der Romantiker

Vierer wollen sich verstanden fühlen. Sie werden von einer tiefen Sehnsucht angetrieben und suchen nach dem Sinn des Lebens. Sie möchten etwas Besonderes sein und verachten das Gewöhnliche.
Stärken: warmherzig, mitfühlend, ausdrucksvoll, schöpferisch, intuitiv, hilfsbereit, Schwächen: deprimiert, schuldbeladen, moralisierend, launisch, mit sich selbst beschäftigt, genusssüchtig
Kindheitsprägung: Ich muss anders als die anderen sein.
Wachstumsschritt: Wenn Sie sich nicht ständig mit anderen vergleichen und vom Neid zerfressen lassen, kann in Ihnen Gleichmut entstehen, der Ihnen Frieden bringt.

Affirmation: Ich lebe meine Kreativität mit Freude!

Typ 5 - Der Denker
Fünfer sind wissbegierig, möchten alles genau verstehen und lieben einleuchtende Erklärungsmodelle, die Ihnen Sicherheit geben. Ihre Unabhängigkeit ist ihnen sehr wichtig, da sie befürchten vereinnahmt zu werden.

Stärken: ausdauernd, empfindsam, klug, objektiv, tiefgründig, selbstgenügsam
Schwächen: überheblich, geizig, stur, distanziert, kritisch, negativ, nicht durchsetzungsfähig
Kindheitsprägung: Ich muss alles durchschauen.
Wachstumsschritt: Erkennen Sie, dass Geiz Sie nicht weiterbringt. Üben Sie das Loslassen sowohl mit materiellen als auch mit immateriellen Dingen.
Affirmation: Ich nehme aktiv am Leben teil!

Typ 6 - Der loyale Skeptiker

Sechser brauchen viel Sicherheit, die sie sich häufig durch Bestätigung von außen holen. Die geheime Angst der Sechs besteht darin, als verantwortungslos zu gelten oder isoliert zu sein.
Stärken: loyal, liebenswert, fürsorglich, warmherzig, mitfühlend, witzig, kooperativ, treu, verlässlich
Schwächen: ängstlich, unentschlossen, anmaßend, unberechenbar, paranoid, defensiv, rigide, leicht reizbar
Kindheitsprägung: Ich muss gehorsam meine Pflicht erfüllen.
Wachstumsschritt: Werden Sie mutig und stark, indem Sie die Feigheit und die Angst vor dem Unbekannten überwinden.
Affirmation: Ich bin ein Teil der göttlichen Natur!

Typ 7 – der Vielseitige

Siebener möchten glücklich sein und vermeiden es nach Möglichkeit, sich mit den Schattenseiten des Lebens auseinanderzusetzen. Sie sind Idealisten und wollen ihren ganz speziellen Beitrag in der Welt leisten.
Stärken: spontan, einfallsreich, produktiv, begeisterungsfähig, optimistisch, charmant, neugierig, charismatisch
Schwächen: narzistisch, impulsiv, unkonzentriert, rebellisch, undiszipliniert, unzuverlässig, ruhelos
Kindheitsprägung: Ich muss unkompliziert sein.
Wachstumsschritt: Lassen Sie Ihre Illusionen hinter sich, und betrachten Sie die Welt nüchterner. Akzeptieren Sie sowohl die Licht- als auch die Schattenseiten des Lebens.
Affirmation: Ich öffne mich dem, was gerade geschieht!

Typ 8 - Der Boss

Achter strotzen vor Selbstsicherheit und Kraft und bestimmen, wo es lang geht. Sie haben ein starkes Führungspotenzial und einen ausgeprägten Beschützerinstinkt. Abhängigkeit und Schwäche verachten sie.
Stärken: direkt, kämpferisch, tonangebend, loyal, energisch, erdverbunden
Schwächen: rachsüchtig, herrisch, gefühllos, anmaßend, egoistisch, skeptisch, aggressiv; Kindheitsprägung: Ich muss immer stark sein.
Wachstumsschritt: Hören Sie auf, andere zu erniedrigen, und schließen Sie Frieden mit sich selbst. Dadurch erlangen Sie die Unschuld, die als die „heilige Aufgabe“ der Acht beschrieben ist.
Affirmation: Ich gestehe mir meine Verwundbarkeit ein!

Typ 9 - der Friedliebende

Neuner sind friedliebend und möchten Konflikte möglichst vermeiden. Es fällt ihnen schwer ein klares Ziel zu verfolgen und sie sind oft weder Fisch noch Fleisch. Neuner möchten mit ihrer Umwelt verschmelzen, oft tragen sie die Eigenschaften der übrigen Punkte in sich. Stärken: freundlich, friedlich, großzügig, geduldig, aufgeschlossen, diplomatisch, mitfühlend
Schwächen: abgehoben, vergesslich, stur, grüblerisch, teilnahmslos, aggressiv, urteilend, unentschlossen
Kindheitsprägung: Ich muss für Harmonie sorgen.
Wachstumsschritt: Wachen Sie aus Ihrer Lethargie auf und tun Sie etwas, statt in Ihrem heimlichen Zynismus zu verharren, der Sie lähmt und unzufrieden macht.
Affirmation: Ich akzeptiere die Unvollkommenheit der Welt!

Enneagramm und Partnerschaft

Stellen Sie sich dieses Szenario vor: Eine Paar diskutiert über ein bestimmtes Thema, vielleicht über eine gemeinsame Freundin. Zuerst verstehen sie sich noch ganz gut, doch dann geraten sie, wie aus heiterem Himmel, ganz furchtbar aneinander, weil sie über diese Person eine grundverschiedene Meinung haben. Die Fronten verhärten sich, vielleicht gibt es böse Worte, vielleicht strafende Blicke, vielleicht fliegen auch wirklich die Fetzen. Und wenn das Ganze dann vorbei ist, sitzt man ratlos da und weiß nicht, wie es eigentlich dazu kommen konnte. „War es denn wirklich so schlimm, fragt sich Julia, was Dirk über meine Freundin gesagt hat? Und vielleicht denkt sie noch: „Wie konnte er nur so ausrasten!“ Hätte die friedliebende Julia, selbst eine NEUN, aber gewusst, dass Dirk eine ACHT ist, könnte sie ihn vielleicht besser verstehen. Und Dirk umgekehrt würde auch mehr Verständnis dafür aufbringen, dass Julia Streit und direkte Konfrontationen hasst und außerdem ihre Freundin immer verteidigen würde.
Das Enneagramm kann eine wertvolle Hilfe in zwischenmenschlichen Beziehungen sein. Wenn man seinen eigenen Typ und den des Gegenübers kennt, kann man Konflikte, die in jeder Beziehung, sei es Partnerschaft,  Freundschaft oder im Arbeitsleben, irgendwann entstehen, besser verstehen und bewältigen. Vieles, was man vorher eventuell sehr persönlich genommen und was die Beziehung eventuell sogar gefährdet hat, wird man gelassener sehen können. Denn man versteht nun, dass die Probleme in der jeweiligen Persönlichkeitsstruktur verankert sind und nicht auf Anhieb beseitigt werden können. Dadurch entstehen  mehr Achtsamkeit und ein liebevollerer Umgang mit dem Anderen. Hüten sollte man sich aber in jedem Fall davor, das Enneagramm als eine Art Waffe zu benützen, um den Partner zu belehren oder verbessern zu wollen. Das Enneagramm ist ein scharfes Schwert, das man behutsam einsetzen muss.  

Wie wäre es, wenn …?

Wenn Sie Ihre Fixierung anhand eines Tests ermittelt haben, können Sie folgende aufschlussreiche Übung machen. Sie beginnt stets mit dem Satz: Wie wäre es, wenn …? Spüren Sie genau nach, was in Ihnen vor sich geht, wenn Sie sich diese Frage stellen. Welche Empfindungen haben Sie dabei? Wo fühlen Sie etwas? Wie genau fühlt es sich an? Wenn Sie feststellen, dass in Ihnen Glücksmomente und ein Gefühl der Freiheit entstehen, können Sie davon ausgehen, dass dies genau die Dinge sind, die Sie tun sollten, um Ihre Fixierung etwas aufzuweichen. Wiederholen Sie diese Wahrnehmungsübung regelmäßig, damit sie ihre positive Wirkung voll und ganz entfalten kann. Vielleicht fallen Ihnen selbst auch noch passende Sätze ein! Es sollte auf jeden Fall etwas sein, was Sie normalerweise nicht tun!

Typ 1: Wie wäre es, wenn ich mir täglich eine Stunde Zeit für mich alleine nehmen würde?
Typ 2: Wie wäre es, wenn ich mich selbst so verwöhnen würde, wie ich dies bei anderen tue?
Typ 3: Wie wäre es, wenn ich jetzt alles stehen und liegen lassen würde und ins Kino ginge?
Typ 4: Wie wäre es, wenn ich den gegenwärtigen Moment voll und ganz genießen würde?
Typ 5: Wie wäre es, wenn ich spontan eine neue Sportart ausprobieren würde?
Typ 6: Wie wäre es, wenn ich mich einfach einmal selbst loben würde?
Typ 7: Wie wäre es, wenn ich total dankbar für das wäre, was ich im Moment habe?
Typ 8: Wie wäre es, wenn ich andere loben würde, statt sie einzuschüchtern?
Typ 9: Wie wäre es, wenn ich einen Tag lang alles selbst entscheiden würde?

Die Geschichte der vier Reisenden

Claudio Naranjo erzählte seinen Schülern einmal in Bezug auf die Therapiearbeit, in die auch das Enneagramm integriert ist, folgende Geschichte mit einem erhellenden Kommentar.
Es waren einmal vier Reisende: ein Araber, ein Perser, ein Türke und ein Grieche. Sie diskutierten darüber, wie sie ihre letzte übrig gebliebene Münze Geld nutzen könnten. Unterdessen kam ein Fremder und sagte: „Wenn ihr mir die Münze gebt, werde ich euch alles kaufen, was ihr euch wünscht.“ Am Anfang waren alle misstrauisch, aber am Ende gaben sie ihm das Geldstück. Der Araber sagte: „Kauf mir eine Weintraube!“ Der Türke war zufrieden damit, weil es das war, was auch er kaufen wollte, aber er nannte es „uzm“. Der Grieche nannte es „stafil“ und der Perser „angur“.
Genauso wollen auch wir alle das Gleiche, aber wir benennen es unterschiedlich. Und genau wie dieser Sufi ein guter Dolmetscher war, sollte es auch ein guter Therapeut sein. Der eine Mensch sucht die Liebe, der andere versucht den Schmerz zu vermeiden, der nächste will seinen Ehrgeiz sättigen. Jedoch die Sache, die wir suchen, ist die gleiche, aber keiner erkennt mit Klarheit, was das wirklich ist. Ich glaube, jede Therapie, die etwas, „das nicht richtig funktioniert“, untersucht, hat etwas gemeinsam mit der größten metaphysischen Suche.

Sakrale Tänze zur Selbstfindung

G. I. Gurdjieff hatte seinen Schülern „Sacred Dances“ beigebracht, heilige Tänze, die er als außerordentlich wichtigen Teil seiner Arbeit betrachtete. Er sagte sogar einmal, dass er der Welt als „Tanzlehrer“ in Erinnerung bleiben woll. Seine Tänze waren dazu gedacht „immer mehr über die Gesetze der Welterschaffung und Welterhaltung” herauszufinden. Die rituellen Bewegungsabläufe, die teilweise auf dem Enneagramm basieren, sind Abbildungen kosmischer Gesetzmäßigkeiten. Bei den Aufführungen der Gurdjieff-Tänze wird der Zuschauer vollständig in das Geschehen einbezogen. Er wird sozusagen ein Teil der Aufführung, indem er innerlich selbst tanzt. Das funktioniert, weil die langsamen Bewegungsabläufe und Gesten vom Gehirn unmittelbar nachvollzogen werden können. Die Tänze schaffen Raum für innere Disziplin, Klarheit und Wachheit und sind ein Weg, um zu sich selbst zu finden.

INTERVIEW mit dem spirituellen Lehrer und Enneagramm-Experten ELI JAXON BEAR  
 

Während eines Seminars in Amsterdam sprach BIO mit Eli Jaxon Bear, einem bekannten spirituellen Lehrer und Enneagramm-Experten, der weltweit Seminare und Retreats leitet. Er betrachtet das Enneagramm als einen Weisheitsspiegel, in dem man vor allem erkennen kann, was man nicht ist. Die aufrichtige Arbeit mit dem Enneagramm, davon ist er überzeugt, führt zur Überwindung der Illusionen und ermöglicht jedem Menschen, zum wahren Kern des Seins vordringen. In seinem Buch Das spirituelle Enneagram: Neun Pfade der Befreiung  beschreibt er, wie dieser Weg gegangen werden kann. Eli Jaxon Bear gründete in den USA die Leela-Foundation, eine gemeinnützige Organisation, die dem Frieden und der Freiheit der Welt durch universelle Selbsterkenntnis gewidmet ist. Auch in Deutschland hält er Seminare ab, die auf seiner Website www.leela.org/de angekündigt sind.
 

MS:  Wozu dient das Enneagramm?

E.J.B.: Es geht darum, die  Strukturen des Geistes zu erkennen, so dass man erwachen, sie hinter sich lassen kann. Und es geht darum, die Strukturen des Egos zu verstehen, so dass man realisieren kann, was tiefer ist als das Ego. Das Enneagramm kann eine große Falle sein oder ein Weisheitsspiegel. Es kommt auf den Menschen selbst an. Wenn man ein reines Herz hat, und wenn man wirklich nach innerem Wachstum strebt, dann wird man das Enneagramm richtig anwenden können und nicht versuchen, dass Ego damit zu stärken. Es ist wie mit den spirituellen Lehrern: Ein aufrichtig Suchender findet einen verwirklichten Lehrer. Wer nur ein bisschen ausprobieren möchte, wird auch die Entsprechung dazu finden. Das ist ein kosmisches Gesetz.
 

Wie kann das Enneagramm beim spirituellen Fortschritt helfen?

Das Enneagramm ist ein Spiegel der Weisheit. Zunächst muss man allerdings wissen, was man will. Wenn Sie ihre Persönlichkeit verbessern möchten, kann es Ihnen dazu verhelfen. Wenn Sie Freiheit und Frieden suchen, wenn Sie entdecken möchten, was Ihre wahre Natur ist, wenn Sie sich nach dem Sinn des Lebens fragen oder wenn Sie das Wesen der Liebe verstehen möchten, dann kann das Enneagramm ein Weisheitsspiegel sein, der Ihnen zeigt, wo Sie unbewusst, sozusagen wie ein programmierter Roboter handeln – im Denken und Fühlen, bei der Arbeit, in all Ihren täglichen Verrichtungen. Sie werden sehen, dass Sie von einem Programm gelebt werden und gar nicht selbst die Fäden in der Hand haben. Diese Programme, die uns steuern, sind im Enneagramm als die neun Fixierungen beschrieben.
 

Es gibt so viele Wege, die Wahrheit zu suchen bzw. Selbsterkenntnis zu erreichen. Was ist denn das Besondere am Ennegramm? Und wo liegt die eigentliche Wahrheit?

Die Wahrheit liegt in der Stille. Wenn Sie Ihre Gedanken anhalten können, wenn Sie damit aufhören, alles für wirklich und unveränderlich zu halten, was Sie umgibt, dann können Sie die Realität finden. Das wahre Sein spricht in der Stille. Es ist jenseits jeglicher Vorstellung, die wir uns normalerweise machen. Das Enneagramm kann zur Stille führen, wenn man richtig damit umgeht. Darin liegt seine Größe.
 

Wie kommt es zu den jeweiligen Fixierungen?

Die Fixierungen sind ein Überlebensmechanismus. Jede Fixierung ist genetisch, sie ist ein Teil des Körper-Geist-Organismus. Sie wechselt nicht, sie kommt und geht nicht, sie wächst nicht. Man ist einfach damit geboren. Jeder Körper und damit jeder Mensch ist auf das Überleben ausgerichtet. Einige haben das Überlebensmuster „Aggressivität“, andere sind vorsichtig oder ängstlich, andere überleben, indem sie verführerisch und hilfsbereit sind. Das sind verschiedene Überlebensstrategien, die unbewusst ablaufen. Darüber hinaus erzählen wir dann auch noch unsere selbst gebastelten Lebensgeschichten, um diese Strategien zu rechtfertigen. Es gibt einen karmischen Grund dafür: die Notwendigkeit des Erwachens. Wir schlafen alle, ohne uns dessen bewusst zu sein. Doch in Wirklichkeit sind wir hier, werden wir in diese Welt geboren, um endlich zu erwachen und uns unseres wahren Selbst bewusst zu werden.
 

Wie kann man mit dem Enneagramm-Typ sinnvoll arbeiten?

Indem man erkennt, was man nicht ist. Das ist das größte Geschenk. Der Mensch ist etwas viel Größeres als die Fixierung in die er verstrickt ist. Das Enneagramm hilft uns, aus unseren persönlichen Identifikationen, die uns daran hindern zu erkennen, wer und was wir wirklich sind, zu erwachen, indem wir sie durchschauen und ihnen damit ihre Kraft nehmen.
 

Wie kann man seinen Typ sicher erkennen?

Mit den Tests ist es eine schwierige Sache, die meisten funktionieren nicht wirklich. Das liegt daran, dass die Leute sich selbst nicht kennen und sich oft auch etwas vormachen, wenn sie die Fragen beantworten. Besser ist meiner Erfahrung nach die tiefe Selbstbeobachtung. Indem man seine Lebensmuster ehrlich untersucht, wird man seine Fixierung erkennen können. Man kann sich z. B. fragen: Wie bestimmt Angst mein Leben? Wie Aggression? Wie Bedürftigkeit? Das sind die drei Hauptfixierungen, die uns im Griff haben. Jeder kann für sich selbst herausfinden, welches speziell sein Hauptthema ist. Man muss in sich selbst hineinschauen, in sich selbst die Antwort finden. Tests sind nur Hilfsmittel, die diese Innenschau nicht ersetzen.
 

Wie arbeiten Sie in Ihren Seminaren mit dem Enneagramm?

Wir arbeiten mit den Fixierungen, indem wir sie demonstrieren. Wir nehmen z. B. Videos auf, in denen die Fixierungen deutlich zu erkennen sind, und spielen sie vor den Teilnehmern ab. Man kann unter Umständen schon durch diese Überzeichnung spontan erkennen, welcher Typ man ist. Man bekommt mit der Zeit ein Gefühl dafür. So kann man die Fixierungen durch das Benehmen der Menschen, die Art, wie sie sprechen, gehen, essen und sich in bestimmten Situationen verhalten, identifizieren. Hat man erst einmal erkannt, welcher Typ man ist, ändert dies alles. Denn wenn man weiß, welche Fixierung man hat, was einen konkret daran hindert, wirklich frei zu sein, kann man etwas ändern.
 

Es wird manchmal von einem Missbrauch des Enneagramms gesprochen. Wie  ist das zu verstehen?

Beispielsweise indem man versucht, seinen Typus zu verändern. Das ist eine Art Missbrauch, eine Manipulation, die der ursprünglichen Idee des Enneagramms nicht entspricht. Man kann den Typ, die Fixierung nicht verändern, nicht festlegen, nicht besser machen. Es geht vielmehr darum aufzuwachen, zu erkennen, dass eine einengende Fixierung vorliegt, die die Selbsterkenntnis verhindert.
 

Wie kann dieses Aufwachen geschehen?

Durch Selbstbeobachtung, Selbstbefragung und Selbsterkenntnis. Das ist der Weg in die Freiheit. Das Enneagramm gibt sehr spezifische Muster, die man klar erkennen kann. Anfangs identifiziert man sich häufig mit allen Fixierungen, das ging mir genauso. Man glaubt sich in allem wieder zu erkennen. Doch wenn man tiefer geht, erfasst man, oft ganz plötzlich, welche Fixierung man wirklich hat. Sehr oft ist es genau der Punkt, von dem wir ganz sicher waren, dass er es nicht sein kann. Diese Erkenntnis kann ein ziemlicher Schock sein, allerdings ein heilsamer.
 

Gibt es besonders schwierige Punkte?

Das kann man so nicht sagen. Jede Fixierung hat ihre eigenen Fallen und ihre speziellen Schwierigkeiten. Keine ist besser oder schlechter, und jede ist eine große Herausforderung.
 

Haben die Fixierungspunkte Entsprechungen zu Krankheiten?

Ja, den einzelnen Fixierungen kann man spezifische Krankheiten zuordnen. Punkt vier z. B. hat die Neigung zu Essstörungen wie z. B. Bulämie. Punkt acht neigt zu Exzessen, die sich als Krankheiten der Leber oder auch der sexuellen Organe niederschlagen können. Die Zuordnung ergibt sich auch aus den drei Haupttypen der Enneagramm-Fixierungen Kopf, Herz und Bauch.
 

Inwiefern ist das Enneagramm ein Weisheitsspiegel?

Weil hinter den Fixierungspunkten die Weisheit verborgen liegt. In unserem Leben gibt es drei Hauptbewegungen: Wir bewegen uns  entweder auf etwas zu, von etwas weg, oder wir sind gegen etwas. Das ist von Anfang an in uns programmiert. Jeder von uns ist auf diese Weise programmiert und wir Menschen haben alle drei dieser Bewegungen in unserer Fixierung enthalten. Die einen haben den Überlebensmechanismus immer von etwas wegzustreben, immer gegen etwas zu sein, oder immer auf etwas zuzugehen. Auf diesen Fixierungen bauen wir unser Leben auf, auf diesen  Fixierungen beruhen auch unsere spirituellen Konzepte. Sie nützen uns im Grunde aber nicht wirklich, sie helfen uns vielleicht eine Zeit lang, aber irgendwann müssen sie losgelassen werden, wenn man die Wahrheit erkennen will. Und um die Wahrheit zu erkennen, müssen wir verstehen, dass wir in einem Gefängnis leben, in einer Welt, die uns limitiert. Wir sind die Sklaven unserer Fixierung. Gelingt es uns, sie hinter uns zu lassen, öffnet sich der Weg zur Weisheit. Deshalb kann man das Enneagramm als Spiegel der Weisheit betrachten. Es spiegelt uns das Falsche, damit wir das Richtige, die ursprüngliche Weisheit, finden können.

Dazu brauchen wir Hilfe, nicht wahr?

Ja, ein Lehrer kann sehr hilfreich sein. Bei mir war es jedenfalls so. Durch meinen spirituellen Lehrer Papaji habe ich die Wahrheit erkannt. Diese Erkenntnis kann auch durch die Arbeit mit dem Enneagramm erfolgen. Auch da kann ein plötzliches Erwachen geschehen. Doch es geschieht niemals mit dem Verstand. Im Gegenteil: Man muss alles hinter sich lassen, alles loslassen, was man an Ideen und Glaubenssätzen in sich trägt. Alles Alte und Belastende, alles nicht selbst Erfahrene ist auf dem Weg der Erkenntnis nicht förderlich.
 

Aber es ist doch schwierig, alles einfach  hinter sich zu lassen …

Ich denke, am schwierigsten ist es, das alles mit sich herumzuschleppen.
 

Da ist aber doch bei vielen Menschen die Angst vor dem Fallen, vor dem Nichts …

Ja, richtig.  Die Angst ist eine der Fixierungen, die die Menschen daran hindert, frei zu sein. Wenn man dies erkennt, hat man einen großen Schritt getan. Man muss dann natürlich den Mut haben zu fallen, auch wenn man schreckliche Angst hat. Das heißt, man muss über die Fixierung hinausgehen. Die Fixierung ist da, die Angst ist da, aber sie hat keine Macht mehr über den Menschen, da er sich zu dem Wesentlichen aufmacht. Gelingt einem dieser Schritt nicht, regiert die Angst das ganze Leben, und es kann nichts erreicht werden. Angst setzt Grenzen, doch die Wahrheit ist grenzenlos.
 

Man sollte die Angst also einfach wegjagen?

Nein, darum geht es nicht. Man sollte die Angst vielmehr einladen. Zulassen, dass man totale Angst hat und dennoch den Mut aufbringt, zu anderen Ufern aufzubrechen. Dann hat die Angst uns nicht länger im Griff. Es ist egal, ob sie kommt oder geht. Man identifiziert sich nicht mehr damit und dadurch ist man frei. Wichtig ist, dass man durch die Angst hindurchgeht und herausfindet, was dahinter liegt. Man muss sie ertragen können und dennoch weitergehen. Den nächsten Schritt in das Unbekannte wagen. Die Angst ist ein Phänomen, das uns von unserem wahren Selbst abhält. Es ist ein Phantom. Aber das muss man erst einmal verstehen und vor allen Dingen erleben! Das gilt natürlich für jede Fixierung. Indem man sie akzeptiert, aber darüber hinausgeht, erlangt man Freiheit.
 

Kann man durch die Arbeit mit dem Enneagramm spontan erwachen?

Ja, das kann geschehen. Als Lehrer sehe ich Menschen, die ihre Fixierung erkannt haben, daran arbeiten und große Fortschritte machen. Wenn jemand wirklich erwacht ist, kann man das an der Art sehen wie diese Person spricht, handelt. Man kann es sehen, fühlen. Diese Menschen drücken ihre neue Freiheit in allem aus, was sie tun. Das Enneagramm ist im Grunde zwischen dem Menschen und der Freiheit. Es bietet die wunderbare Möglichkeit aus dem Gefängnis der Fixierung auszubrechen und ein neues Sein zu beginnen.
 

Haben Sie eine besondere Botschaft für die Menschen?

Es ist Zeit aufzuwachen! Die Welt geht zugrunde, wenn wir so weitermachen wie bisher, denn die Menschen zerstören ihre Lebensgrundlagen. So tragisch dies ist, gibt es dennoch auch etwas Gutes: In diesem Niedergang liegt auch eine große Chance zu erwachen und den Egoismus und die Gier zu überwinden. Dies muss in jedem Einzelnen von uns geschehen. Hören wir damit auf, andere für die Umweltverschmutzung, den Krieg, den Hass, die Aggression zu verurteilen, denn jeder von uns hat in seinem Inneren damit zu tun. Wir sollten zunächst einmal bereit sein, Verantwortung für unser eigenes Leben zu übernehmen, indem wir Frieden, Liebe, Mitgefühl in unserem eigenen Inneren verankern. Wenn ein Mensch Frieden hat, strahlt er dies auf andere, auf seine Umgebung, aus. Das ist viel wichtiger als Parolen zu schwingen, die zu keiner wirklichen Veränderung führen. Die Selbsterkenntnis mit Hilfe des Enneagramms ist ein Weg, um diesen Frieden zu finden und damit die Welt zu verändern.

 


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