Ohne Angst lernen

advaitaMedia - Autor bei ViGeno

Ohne Angst lernen - Herzensbildung

 

vom advaitaMedia Verlag -

 

Herzensbildung - Lernen für wahres Menschsein - und ohne Angst
Ein Pädagoge und Forscher auf dem Inneren Weg beleuchtet das Bildungssystem mit einer ungewöhnlichen These: Hinter vielen Bemühungen von Lehrern, den Anstrengungen der Schüler und den Sorgen der Eltern versteckt sich Angst. Er skizziert die Vision einer erfüllenden Menschen- und Herzensbildung, die vom Wunsch nach Liebe und Wahrheit geleitet wird und geistlichen Traditionen verpflichtet ist. WAS zu lernen sind wir auf der Welt? Ein Essay von Johannes Spath

Themen aus Teil 1 dieses Artikels:
1. Angst als Antreiber
2. Der Mythos vom dummen Menschen
3. Lernen aus Begeisterung und nun geht es weiter mit:

4. Auf den Lehrer kommt es an
John Hattie, ein bekannter neuseeländischer Bildungsforscher, machte mit der Meta-Studie „Visible Learning“ bekanntlich Furore. Er untersuchte, was in der Schulbildung wirklich wirkt. Das Ergebnis: Auf den Lehrer kommt es an. Aber die Rolle des Erwachsenen für die Bildung junger Menschen ist mehr als die des Vermittlers von Kulturgütern oder „Kompetenzen“. Der Erwachsene konfrontiert mit etwas viel Wesentlicherem – womit?

Das Kind in seinem expansiven Drang, neugierig lernend und forschend die Welt zu erobern, stößt ja früher oder später an eine Grenze. Und diese Grenze ist der Tod. Und der Tod fordert ihn auf, erwachsen zu werden. So wandelt sich das Bildungsziel: ein erfülltes, erwachsenes Leben zu führen - angesichts der eigenen Vergänglichkeit.

Und die Erwachsenen stehen für diese Grenze, für den Tod. Sie müssen Grenzen setzen da, wo das Kind in seinem kindlichen Allmachtsgefühl seine eigene Begrenztheit noch nicht sieht. Sie müssen Führung geben, indem sie den nächsten notwendigen Schritt, den das Kind tun muss, wissen und ihm einen altersgerechten Rahmen dafür geben.

Sie muten dem Kind zu, alles zu fühlen, was auf diesem Lernweg zu fühlen ist, und begleiten es darin in Ernsthaftigkeit und Liebe. Sie fordern von ihm Respekt gegenüber ihrer Autorität. Sie geben dem Kind durch ihre Integrität das Vertrauen, dass es gut und erfüllend ist, erwachsen zu werden und Verantwortung zu übernehmen – auch und gerade angesichts des Wissens um den Tod.

5. Kinder brauchen Grenzen
Aber wo sind die Erwachsenen und Lehrer, die diese Aufgabe übernehmen? Gibt es die überhaupt? Oder sind die selbst alle Kinder geblieben, die nun - selbst Tod und Vergänglichkeit geflissentlich verleugnend - der Angst und dem materiellen Überleben dienen? Wer steht als Lehrer auf diesem „zweiten Bildungsweg“, dem Weg ins Erwachsensein zur Verfügung?

Welcher Erwachsene interessiert sich für die Frage, wie denn ein erfülltes Leben im Angesicht des Todes zu führen ist? Spätestens hier zeigt sich die Begrenztheit unseres herkömmlichen Bildungsbegriffs, die sich auch an unseren Schulen widerspiegelt: Erwachsenwerden wird als Bildungsziel in seiner fundamentalen Bedeutung nicht erkannt und steht infolgedessen nirgendwo im Lehrplan. Es wird stattdessen gehofft, dass das schon irgendwie von selbst geschieht, weil „erwachsen sind wir ja alle geworden“. Das ist ein Irrtum.

Wenn wir uns anschauen, welche Mühe Eltern und Lehrer in unserem Land allein damit haben, ihren Kindern Grenzen zu setzen, wird einiges deutlich. Und wenn jemand wirklich einmal authentische Grenzen markiert, erhebt sich schnell ein großes Geschrei. So erging es zum Beispiel dem Konfliktforscher, Ausbilder für Mediation und Buchautor Thomas Grüner.

Mit seiner Forderung nach einem „autoritativen Erziehungsstil“ in unseren Schulen stieß er vielerorts auf Ablehnung; er wurde im Fernsehen angegriffen und auch viele Leser-Rezensionen seines Buches „Bei STOPP ist Schluss“ klingen vernichtend. Eltern sehen ihre Kinder gefährdet, glauben, Grüner maße sich „absolutistische Macht“ an, würde die Kinder zu angepassten Duckmäusern erziehen wollen.

Auch der Familien- und Kommunikationsberater und vielfache Buchautor Jan-Uwe Rogge wird nicht müde, Eltern und Erzieher zu ermutigen, eine erwachsene Position einzunehmen, für sich selbst und die eigenen Bedürfnisse zu stehen und klare Grenzen zu setzen, ob es den Kindern nun immer passt oder nicht („Kinder brauchen Grenzen“). Darüber hinaus fordert er vom Erwachsenen, dass er in der Lage ist, auch sich selbst Grenzen zu setzen.

Beide treffen hier einen wunden Punkt. Unsere vom Dritten Reich immer noch traumatisierte Gesellschaft verharrt in einem Autoritätskomplex. Sie lehnt Autorität ab - aus Angst vor Missbrauch. Echte und falsche Autorität werden vorsichtshalber gar nicht mehr unterschieden.

Vieles spricht dafür, dass es bei uns einen erschreckenden Verlust von erwachsener Autorität gibt, jener Autorität, die dem Herzen dient. Eltern und Lehrer wollen zwar das Beste für ihre Kinder, können aber nur zuschauen, wie diese zu „kleinen Tyrannen“ werden. Diese Blindheit für echte Herzensautorität führt zu einer großen inneren Schwächung bis hin zum „Burn-out“, ein Prozess, den ich in meinem Lehrerberuf am eigenen Leib erlebt habe. Dass dabei alle Beteiligten in tiefe Angst geraten müssen, ist nicht wirklich verwunderlich.

6. Die Ein-Bildung in Gott
Dabei ist die Bildung mit dem „ersten Bildungsweg“ der Weltaneignung und dem zweiten des Erwachsenwerdens noch nicht einmal abgeschlossen. Denn so sehr ihm äußerlich das Leben gelingen mag, wird auch der gereifte Erwachsene immer noch eine Unzufriedenheit, einen Mangel und eine Sehnsucht in sich spüren. Er leidet. „Wer bin Ich?“, fragt er sich, „Wo komme ich her?, „Wo gehe ich hin?“

Dies ist sein Schrei nach Gott. Und der Mensch wird Gott nicht finden mit Hilfe dessen, was er bisher angesammelt hat. Denn er hat nur gelernt, die Welt und auch sich selbst mit Begriffen zu beschreiben. Er hat gelernt, sich von allem ein Bild zu machen - und eben auch von sich selbst. Das nennt er nun „Ich“. Sein denkender Geist ist angefüllt mit Bildern, mit Imitationen. Irgendwann dämmert ihm, dass da etwas nicht stimmt, dass das nicht die letzte Wahrheit sein kann, die ihm Frieden bringen kann.

Das ist die Stunde des „dritten Bildungswegs“. Auf diesem Weg lässt der Mensch alle erlernten Bilder einschließlich seines Selbstbildes wieder los, um zu sehen, was dann übrig bleibt.
Das mag wenigen im Geiste gerade noch eben denkbar und konsequent erscheinen. Aber wer will das schon? Wer will das wirklich?

Wer sich entschließt, wird massiv seiner Angst begegnen - zunächst in vielfältigen Formen der Abwehr. Sie wird sehr glaubhaft behaupten: „Wenn ich alles loslasse, bleibt nichts übrig!“ Gar nichts.
Die großen geistlichen Lehrer, die Meister der religiösen und spirituellen Traditionen aber lehren allesamt etwas anderes: Es bleibt etwas übrig. Übrig bleiben Wahrheit und Liebe, übrig bleibt, wer du wirklich bist, übrig bleibt das SELBST.

Und jetzt? Trauen wir diesen Lehrern? Folgen wir ihnen oder der Angst? Wagen wir das „Bildungsabenteuer“ des dritten Weges? Wenn wir das nötige Vertrauen auf diesem Weg der Entleerung finden, dann kann in zunehmender Aufgabe von Kontrolle und Hingabe an das Unbekannte das geschehen, was der christliche Mystiker Meister Eckhart (1260-1328) die „Ent-bildung“ des Menschen und seine „Ein-bildung in Gott“ nannte.

„Bildung wird in diesem mystischen Verständnis nicht als eine Leistung des Ichs, nicht als ein Ichhaftes Tun, sondern als eine Formung des Göttlichen im Menschen verstanden, als eine Formung aus dem Innersten, aus der Seele des Menschen. Dies ist das uralte mystische Verständnis von Bildung als einem Schöpfungsakt Gottes, in dem Gott sich im Menschen sein eigenes Bild schafft“ so OM C. Parkin in einem Vortrag aus dem Jahr 2004.

So kann der Mensch der werden, der er sein soll; das Wort von der Ebenbildlichkeit Gottes wird zur lebendigen Erfahrung - und die Seele kann endlich Frieden finden.

Es ist letztlich diese Bildung, nach der die Seele eines jeden Menschen im tiefsten dürstet. Sie setzt voraus, dass die ersten beiden Stufen auf dem Bildungsweg durchlaufen wurden. Wenn wir ehrlich mit uns sind, dann werden wir feststellen, dass wir meist irgendwo im ersten Stadium, mit Glück im Zweiten stecken geblieben sind. Oft selbst dann, wenn wir auf einem spirituellen Weg andere Erfahrungen gemacht haben und wir es eigentlich besser wissen könnten.

Angst hindert uns immer wieder daran, weiter zu gehen. Wollen wir da stehen bleiben? Oder sind wir leidenschaftlich interessiert und wollen lernen? Bringen wir den Mut und das Vertrauen auf? Wenn ja, müssen wir in Betracht ziehen, dass unser alter Bildungsbegriff und unser gegenwärtiges Bildungssystem uns dabei nicht viel weiterhelfen können. Beide sind – wie wir gesehen haben – sehr begrenzt. Wir sind auf uns selbst gestellt – und wir müssen selbst die Lehrer für uns suchen. Sie sind rar, aber es gibt sie.

 

 Johannes Spath ist Oberstudienrat für die Fächer evangelische Religion und Biologie.

Eine Konferenz zu dem Thema Herzensbildung fand das erste mal 2017 im modernen Kloster Gut Saunstorf statt.

Durch die hohe Resonanz auf diese Konferenz, wird sie erneut im September 2019 in Stuttgart veranstaltet.

Referenten sind André Stern, Dr. Jan Uwe Rogge und OM C. Parkin. 

 

 

 

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Hier mehr interessantes rund um das Thema "Spirituelle Lehrer und Autoren" von advaitaMedia.

Teil 1 | Teil 2

 


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