Psychologie: Über den Sinn und Unsinn von banalen Lebenshilfen!

Satyam S. Kathrein - Autor bei ViGeno

Über den Sinn und Unsinn von banalen Lebenshilfen!

von Satyam S. Kathrein

Heute kommen meine Freunde im Geiste, Ken Wilber und Jed McKenna zu Wort:

Jed McKenna Buchauszug: Hier spricht Julia, Kanada: Ich durchforste meine Erinnerungen, und ich kann keine dieser erhabenen Persönlichkeiten als etwas anderes sehen denn als spezialisiertes, minimalisiertes, hybridisiertes, hochstilisiertes oder sonst wie modifiziertes Ego. Erhabene Egos.

Wenn ich jetzt daran zurückdenke, kommt mir das so traurig und erbärmlich vor. Dümmliche kleine Männer und Frauen, die ihre individuellen Variationen auf so sichere und bewährte Themen wie Einheit, Meditation, Bewusstsein, Leben im Jetzt, Liebe, Dienen, höheres Bewusstsein und so weiter darlegten. Die herabblickten auf die aufgerichteten Gesichter jener Leute, die nicht nach Wahrheit suchten, sondern nach jemandem, zu dem sie aufblicken konnten. Blinde, die sich von Blinden führen ließen. Wirklich nur Kinder. So wie ich auch.

Das ist die letzte Stufe der Beschränkung. Keine Hirten der Freiheit, sondern Wächter der Täuschung. Ich beginne zu erkennen, warum das so ist und warum es nicht schlecht ist, aber ich bin noch nicht ganz so weit.

Ich bin immer noch zornig und voller Groll. Sollte ich vielleicht nicht, bin ich aber – oder wenn ich´s bin, sollte ich es vielleicht auch. Ich weiß, diese Leute sind nicht böse, es sind keine Verbrecher, sondern nur Handlanger im Dienste der Maya, und eigentlich bin ich gar nicht auf sie böse, sondern auf mich, weil ich ihnen geglaubt habe, weil ich ein so dummes Schaf war und weil ich mich immer so schmeichelhaft über sie geäußert habe.

Wenn ich heute darauf zurückblicke, so erscheint mir das alles wie der Gipfel – oder sollte ich besser sagen: der Abgrund? – des Wahnsinns. Würde einer dieser vielgepriesenen spirituellen Lehrer jetzt auf meiner Veranda auftauchen und anbieten, mir bei der Sache, in der ich gerade bin, zu helfen, würde ich ihn nicht reinlassen, ja ihm nicht mal die Tür öffnen. Wozu auch?

Diese Leute sind für mich von keinerlei Nutzen. Sie wissen nichts über Transformation vom Selbst zum Nicht-Selbst. Da sollte ich lieber einen hungrigen Bären hereinlassen. Der moderne spirituelle Lehrer könnte jemandem, der von dem Prozess des Erwachens verzehrt wird, nicht mehr Orientierung geben als der regionale Angelführer.

Ich beginne bereits, die tiefe Bedeutung des Wörtchens Weiter zu schätzen. Ein Teil von mir würde gerne bei dem faszinierenden Geflecht aus falschen Lehren, Leichtgläubigkeit, Selbsttäuschung, Angst, Ego, der Verleugnung und all dem bleiben.

Die Psychologie spiritueller Individuen und Gruppen, vor allem in punkto Lehrer-Schüler-Beziehung, scheint ein ideales Thema für einen Artikel oder ein Buch zu sein, und ich fühle mich versucht, mich damit näher zu befassen.

Aber dann stelle ich mir Dich, Jed, vor, wie Du mir gegenübersitzt, und Du brauchst noch nicht mal was zu sagen. Ich erkenne, dass es mir nur darum geht, mich abzulenken. Ich muss mich daran erinnern, dass ich nicht als Journalistin oder Touristin hier bin, ich bin auf meiner eigenen Reise, nur auf der Durchreise, und es gibt irgendwelche Versuchungen und Argumente, um mich von der richtigen Reise abzuhalten.

Deshalb lautet das wichtigste Wort Weiter. Ich verstehe das. Man muss immerzu wachsam sein, denn der Feind ist es auch. Alles, was mit der Welt und mit uns selbst zu tun hat, will von uns, dass wir aufhören, und wir haben nur diese eine Sache, die wir jenen mächtigen Versuchungen entgegenhalten können: das Wörtchen Weiter. Hier erweist sich meine eigene angebliche Güte als einer der bösartigsten Gegner.

Es wäre so leicht, sich von meinen altruistischen Impulsen unterkriegen zu lassen, meine Kapitulation damit zu rechtfertigen, dass ich anderen helfen, sie teilhaben lassen muss an dem, was ich bisher gelernt habe.

Irgend so ein egoistischer Bodhisattva-Bullshit eben. Ich verspüre es hier und jetzt, das Gefühl, ein Verständnis gewonnen zu haben, das ich mit anderen teilen muss, was natürlich bedeuten würde, mein Verständnis dann auch nicht mehr zu erweitern zu können, und zu lernen, wie ich es anderen am besten vermittle, was natürlich darauf hinauslaufen würde aufzuhören.

Ja, ich möchte anderen helfen, möchte ihnen den Weg zeigen. Ja, ich möchte der Dunkelheit und Unwissenheit, aus der ich jetzt begonnen habe, mich zu befreien, etwas entgegensetzen, und ja, das ist alles nur eine raffinierte und auf schmerzliche Weise wirksame List des Egos, um mich dazu zu bringen, meine Reise zu beenden – Wobei Reise nur eine Metapher ist für den Prozess, die Schichten des Egos abzuschälen, so würde ich mich selbst häuten. Labere ich gerade? Schon wieder?

Tut mir leid, dieses Verstehen überkommt mich schubweise und verlangt nach sofortiger Artikulierung – oder zumindest Artikulierungsversuchen. Man soll all das sehen, was man nicht sieht!
Demnächst mehr….

 

Ken Wilber:
Wenn es um spirituelle Lehrer geht, dann gibt es solche, die vorsichtig sind, liebenswürdig, tröstend, besänftigend, fürsorglich. Und es gibt Outlaws, quasi „Geächtete” also, lebendige Unruhestifter, die groben Burschen und garstigen Frauen der Gottverwirklichung, die Männer und Frauen, die dir geradewegs ins Gesicht schauen, dich beunruhigen, dir Angst machen, bis du schließlich dafür erwachst, wer und was du wirklich bist. Und wenn ich das vorschlagen darf: Wähle deine Lehrer sorgfältig aus. 

Falls du Ermutigung möchtest, ein freundliches Lächeln, Streicheleinheiten fürs Ego, sanfte Liebkosungen deiner sich ichhaft verspannenden Lebensweisen, Schulterklopfen und süße Trostworte, dann finde einen netten Kerl oder ein freundliches Mädchen, halte ihre Hand auf dem lieblichen Weg der Stressminderung und der Ich-Bequemlichkeit.

Falls du jedoch Erleuchtung suchst, falls du aufwachen willst, falls du bereit bist, im Feuer der leidenschaftlichen Unendlichkeit geröstet zu werden, dann, so sage ich dir: Finde einen groben Burschen oder ein garstiges Weib, jemanden, in dessen Gegenwart dir ungemütlich wird, der dir einen verrückten Schrecken einjagt, der dich jederzeit aus heiterem Himmel öffentlich blamiert, der dich wünschen lässt, nie geboren worden zu sein, der dir nicht süßen Komfort bietet, sondern elende Furcht, keinen Trost-Süßstoff, sondern brennende Angst, denn dann, nur dann, bist du vielleicht wirklich auf dem Weg zu deinem eigenen ursprünglichen Gesicht. 

Die meisten von uns, vermute ich, ziehen es vor, wenn unsere spirituellen Lehrer zur Kategorie der netten Kerle gehören. Weich, tröstlich, nicht bedrohlich, eine Quelle der Hilfe und des Beistands für eine abgekämpfte und müde Seele, ein sicherer Hafen im Sturm des Samsara.

Dagegen spricht natürlich gar nichts; Spiritualität gibt es in so vielen Geschmacksrichtungen, und ich habe selbst etliche wirklich nette Kerle kennen gelernt. Wenn deine Geschmacksrichtung aber zur Erleuchtung tendiert statt zum Trost, falls sie sich von tröstlichen Träumen zum tatsächlichen Aufwachen verändert, falls sie auf eine Gott-Erfahrung hin rumpelt und nicht nach Verfestigung des Ego sucht, dann erfordert das einen brutalen, schockierenden Tod: tatsächlich einen Tod deines getrennten Selbst, eine schmerzliche, fürchterliche, beängstigende Auflösung, eine wundersame Auslöschung, der du wirklich beiwohnen kannst, während du dich in die grenzenlose, formlose und radikale Wahrheit ausdehnst, welche jede deiner Zellen durchdringt, dein ganzes Wesen bis zum Kern überflutet und das ausweitet, was du für dein Selbst gehalten hast, bis es die fernen Galaxien umfasst.

Denn nur auf der anderen Seite dieses Todes ist Geist; nur auf der anderen Seite des geopferten Ego liegt das Gute und Wahre und Schöne. „Du wirst zur rechten Zeit erkennen, dass deine wahre Herrlichkeit dort ist, wo du aufhörst zu existieren”, erinnerte uns der strahlende Sri Ramana Maharshi immer. Deine wahre Herrlichkeit befindet sich auf der anderen Seite deines Todes, und wer wird dir das zeigen? 

Nicht die netten Jungs und nicht die guten Mädchen. Sie möchten deine Gefühle nicht verletzen. Sie wollen dich nicht beunruhigen. Sie sind hier, um dir süße Nichtigkeiten in dein Ohr zu flüstern und dir Trostpreise in die ausgestreckten Hände der Ich-Verspannung zu geben und Balsam für ein kriegsmüdes Ego sowie Techniken, es wieder in seinem ständigen Kampf mit der Welt des Andersseins, der Spaltung, aufzubauen. In gewisser Weise ist es sehr leicht, ein Lehrer der Kategorie netter Kerl zu sein: kein Durcheinander, kein Wirbel, kein Ringen mit dem Widerstand des Ego und keine erschöpfende Konfrontation. Sei nett zum Ego, klopfe ihm auf die Schulter, lass es die Atemzüge zählen und ein paar Mantras summen. 

Grobe Burschen wissen es besser. Sie sind nicht hier, um zu trösten, sondern um zu erschüttern, nicht um es uns bequem zu machen, sondern um zu zerstören. Sie sind kompromisslos, brutal, wie ein Laser. Sie konfrontieren dich so lange, bis du dein ursprüngliches Gesicht erkennst, so lange lassen sie einfach nicht locker, sie lassen dich einfach so lange nicht los, bis du losgelassen hast radikal, vollständig, umfassend, ohne zu zögern.

Ihr Leben ist voll Mitgefühl, echtes Mitgefühl, kein idiotisches Mitgefühl, und echtes Mitgefühl benutzt häufiger ein Schwert als eine Süßigkeit. Sie greifen das Ego von Grund auf an (und der Angriff ist umso heftiger, je größer das Ego). Sie leben als Wahrheit und überall begegnen ihnen Egos, aber sie bleiben kompromisslos bei der Wahrheit. 

Fritz Perls, der Begründer der Gestalttherapie, pflegte zu sagen, dass keiner zum Therapeuten kommt, damit es ihm besser geht (obwohl die Menschen das immer sagen). In Wahrheit kommen sie, um ihre Neurose zu vervollkommnen.

Genauso kommt keiner zum spirituellen Lehrer, um Erleuchtung zu erlangen (obwohl alle behaupten, das zu tun). Vielmehr kommen sie zu einem spirituellen Lehrer, um subtilere und intelligentere Egospiele zu erlernen, hier also das Spiel „Schau doch mal, wie toll spirituell ich bin.”

Was ist es denn schließlich, was dich zu einem spirituellen Lehrer bringt? Es ist nicht der Spirit, der Geist in dir, denn der ist ja schon erleuchtet und braucht nach nichts zu suchen. Nein, es ist das Ego in dir, das dich zu einem Lehrer bringt.

Du möchtest dich in der Gegenwart des spirituellen Spiels erleben, du möchtest dir morgen als einem erwachten Wesen begegnen. Einfach gesagt: Du möchtest, dass dein Ego bis in ein spirituelles Paradies hinein weiter besteht. 

Was soll ein armer Lehrer machen, wenn er es mit solch gerissenen Egospielchen zu tun hat? Jeder, der zu einem spirituellen Lehrer kommt, wird vom Ego her motiviert. Und Lehrer haben zwei Möglichkeiten, um mit diesem Ansturm eines gespaltenen Bewusstseins, mit dieser Ansammlung innerer Widersprüchlichkeiten umzugehen: Sie können fürs Publikum spielen oder das gesamte Theatergebäude in die Luft jagen.

Wer verstehen will.....versteht...!
herzlichst Satyam S. Kathrein

Nächste Möglichkeit sich dem wirklichen Licht anzuschließen:   Seminar -  Bewusst Sein! - Eine Reise ins Licht der Chakra-Themen!   29. Sept. - 4. Okt. 2010

 


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