Engel: Perfektion

Sonja Ariel von Staden - Autorin bei ViGeno

Ticke ich noch richtig?

von Sonja Ariel von Staden -

Raus aus dem Wahn der Perfektion!

Mal eine kurze Frage: „Kann ein Mensch - wenn auch nur einmal in seinem Leben - alles richtig machen?“

Diese Frage hat mich mein Leben lang beschäftigt. Sie hat sich in meinen Verstand gegraben und führt seit meiner frühesten Kindheit ein Eigenleben. Sie hat es sogar geschafft, so etwas wie ein kleiner Diktator zu werden. Mit eindringlichen, wohl artikulierten Reden, die sie ständig an mich richtet. Das klingt dann in etwa so:

„Bist Du eigentlich bescheuert? Wie kannst du das nun wieder machen? Hab ich dir nicht beigebracht, wie es richtig geht? Hab ich dir nicht hundertmal gesagt, dass das falsch ist? Nimm gefälligst das, iss das, kauf das, mach das SO und nicht anders! Dumme Kuh... muss man dir das immer wieder sagen?“

So klingelt es permanent in meinen Ohren, wenn ich gedenke, den Tag zu beginnen, den Tag zu überleben und irgendwie am Ende des Tages an irgendeinem Ziel anzukommen.
Dieses kleine, aus wenigen Worten bestehende Satzgebilde treibt mich an den Rand der Verzweiflung.

Gut, vermutlich habe ich mir in diesem Leben vorgenommen, ein Vorbild für andere Menschen zu sein. Scheinbar steht das irgendwo im Kleingedruckten meines Vertrages mit meinen Schöpfer. Ich wollte ja UNBEDINGT auf diese meine Erde, wollte hier herumkrabbeln, laufen lernen und komische bis seltsame Abenteuer erleben. Wollte meine ureigene Mischung aus Pippi Langstrumpf, Gandhi, Ronja Räubertochter und James Bond sein.

Aber was, in Gottes Namen (wenn ich meinen Chef schon einmal erwähnt habe), ist eigentlich richtig??
Wie kann ich persönlich alles richtig machen, wenn die ganze Menschheit etwas anderes darunter versteht? Wenn sich niemand - selbst in einer kleinen Institution wie z.B. einer einem Kindergarten, einer Schule oder einer Familie - auf gesunde Regeln verständigen kann?

Mama sagt dies, Papa sagt es anders, die Kindergärtner hat wieder eine ganz neue Meinung und in der Schule drehen sie nochmal alles auf links, bis die kleine Sonja völlig verwirrt durch die Gegend irrt und sich fragt:
„Was ist das hier eigentlich für ein seltsamer Haufen, in den ich unbedingt hinein geboren werden wollte?? Kann ich bitte nochmal zurück und gründlicher darüber nachdenken?“

Kann ich nicht. Ich wollte hierher. Basta. Sagt der Chef (also der Schöpfer, die Quelle, Gott oder wie auch immer du den Anfang und Sinn von allem nennen möchtest).

Wie kann ich meinen kleinen, strammen „Mach alles richtig“-Diktator im Kopf loswerden? Geht das überhaupt? Und heißt dieses randalierende, mich oftmals fast in den Wahnsinn treibende Etwas nicht eigentlich... Ego?

Mein Ego möchte also alles richtig machen. Coole Strategie im Grunde. Es scheint mein Überleben auf diesem Planeten zu sichern, wenn ich mich an Regeln und Gesetze halte. Es scheint mich beliebt zu machen, wenn ich es allen recht und alles richtig mache. Es scheint also nur zu meinem Besten zu sein. Und genau hier stellen sich mir nach zehn Jahren Entkommen und sprituellem Freischwimmen aus meiner persönlichen Hölle nun wirklich die Nackenhaare auf! Himmel! Es gut zu meinen und das Beste für mich zu wollen heißt noch lange nicht, dass es mir wirklich gut tut!!

Mein innerer Mini-Radikalinski hat sich einen strammen Verbündeten ausgesucht: meinen Verstand. Ich nenne ihn der Einfachheit halber „Herr Schmitz“. Diesen - sorry - schmierigen, untersetzen, rundglasbebrillten Beamten, der sich die schütteren Haare peinlichst über die Halbglatze kämmt, mich über die verstaubten Brillengläser mit diesem entnervten Gesichtsausdruck anschaut und mir einen Vortrag hält (zur Wahrung der Form siezt er mich... e-kel-haft!):
„Nein. So geht das nicht. Hier in meinen Unterlagen, im Aktenordner B156/3 aus dem Jahre 1975 steht, dass Sie bereits einmal eine ähnliche Entscheidung getroffen haben, die schlichtweg eine Blamage für unser Image war. Nach Paragraph 3, Absatz 2, Artikel 5 heißt es in meiner, pardon, unserer Verordnung für ein einwandfreies, akzeptables und richtiges Leben: ,Mach es so wie es alle machen - vor allem die Familie, dann ist es richtig.‘ Und so, wie es aussieht, wollen Sie gerade eine Entscheidung treffen, die dem zuwider läuft. Somit werden Sie mit einer voraussichtlichen Sicherheit von mind. 95% gegen den oben genannten Paragraphen verstoßen. Herr Meier (das diktatorische Ego - Anmerk. d. Verf.) und ich sind einer Meinung: Das lassen wir nicht durchgehen.“

Herr Meier und Herr Schmitz sind meistens einer Meinung. Sie haben sich in 42 Lebensjahren einen erheblichen Teil des Terrains gesichert, den ich ICH nenne. Die graue Masse in meinem Schädel ist beinahe vollständig in ihrer Hand. Viele andere Körperzellen sind ebenfalls unter ihrer Kontrolle und diese perfide, penetrante Mischung aus Besserwisserei und grenzüberschreitender Macht hält mich viel zu oft am Schlawittchen.

Will ich alles richtig machen?
Eine geradezu ketzerische Frage. Meier und Schmitz fangen an zu schimpfen. Ich höre sie zetern in meinem Hirn, das ihre Schaltzentrale für angewandten Terror ist.
Aber - hahaaaa - es gibt noch autonome, alternative und mit meiner allwissenden Seele verbundene Teile, die aufbegehren gegen die beiden Besserwisser!
Ein Teil von mir wird zum Guerilla. Schleicht sich durch die Sphären meiner Aura und morst von Zeit zu Zeit Notsignal an meinen Chef, wenn alles aus dem Ruder läuft.

Wenn ich zwischendurch einmal aufwache aus dem Dämmerzustand des Funktionierens, in den mich M&S mit ihrem mantraähnlichen Singsang aus anerzogenen Glaubenssätzen versetzt haben, schrecke ich auf.
Oh, Mist, wieder weggesackt! In meinem Wahn, alles richtig zu machen, geliebt und akzeptiert zu werden, erfolgreich zu sein, gesund zu bleiben.... etc. pp. habe ich meinen wahren Faden verloren! Wo ist er hin??

Nochmal: Will ich eigentlich wirklich alles richtig machen?
Macht es mich soviel besser, wenn ich „richtig“ bin und handle? Und was in aller Welt ist denn nun richtig?

Ein Beispiel für die Auswirkungen dieses Wahns (der, wie ich sicher weiß, nicht nur mich betrifft):
In Sachen Ernährung zum Beispiel hat sich in den letzten 30 Jahren ständig die Meinung der Experten verändert, was denn nun eine „richtige, gute“ Ernährung ist. Hieß es beispielsweise noch in den 80er-Jahren, dass Margarine die bessere Alternative zu Butter als Brotaufstrich sei, wissen wir heute, dass die Produktion und der Verzehr dieses Butterersatzes sehr schädlich sein kann.
In den 90er-Jahren hievten Experten Aspartam auf den goldenen Sockel der Errettung aus der Zucker-Sucht. Heute wissen wir, was für katastrophale Auswirkungen dieses Zeug auf das Gehirn (und andere Körperteile) hat.

Für mich hieß es also, dass ich es zwar in dem Moment richtig gemacht habe, wenn ich den sogenannten Expertenmeinungen folgte, doch im Nachhinein habe ich mich schlichtweg vergiftet. Diese beiden einfachen Beispiele haben heute immer noch gruselige Auswirkungen auf meinen Körper. Ich habe es überlebt, das stimmt. Und zum Glück habe ich schnell wieder die Finger von diesen und ähnlichen künstlichen Dingen gelassen, als ich mich voller Aufmerksamkeit meiner geistigen und körperlichen Heilung widmete.
Trotzdem trudeln immer noch viele neue Möglichkeiten in meine Wahrnehmung, wie ich „richtig“ leben sollte.

Auch die spirituelle Welt hält unendlich viele Wege bereit, wie man richtig bewusst, richtig gesund, richtig erleuchtet, richtig verbunden etc. sein soll.
Und genau wie die vielen selbsternannten oder von der Industrie gesponserten Experten in Sachen Gesundheit gibt es auch hier weiße und schwarze Schafe unter den Gurus, Heilsbringern, Beratern, Heilern und Lichtarbeitern. Es gibt auch in unserer „heilen“ Welt der Seele so viele Möglichkeiten zu manipulieren und hinters Licht zu führen (in diesem Zusammenhang eine überaus treffende Redewendung).
Auch hier stößt man reihenweise auf diesen herrlichen Satz: „Ich meine es doch nur gut!“
Meine Güte: „Gut gemeint ist nicht immer gleich gut getan!“ möchte ich diesen Menschen zurufen, die mich umringen und mir schier den Atem nehmen!

Manchmal denke ich ernsthaft darüber nach, mich vollkommen aus der Öffentlichkeit zurück zu ziehen. Auch ich bin eine dieser Personen, die glauben, einen Weg aus dem allgemeinen Schlamassel gefunden zu haben. Auch ich wünsche mir nichts sehnlicher, als dass alle Menschen glücklich sind. Dass wir endlich das Paradies erleben, das uns zusteht und das wir nur gemeinsam erschaffen und gestalten können.

Doch meine Meinung ist eben nur meine Meinung. Es ist mein Verständnis davon, wie es „richtig“ sein könnte. Nun kann ich mir zugute halten, dass ich als oberste Priorität für mich das Ziel der vollständigen Authentizität habe (haben Sie das Wort mal ausgesprochen?). Ich gebe nur Dinge preis, die mir absolut schlüssig erscheinen und die ich mindestens einmal selbst ausprobiert habe. Das bedeutet jedoch nicht, dass es für jeden Menschen auf dieser Welt funktionieren muss.
Selbst mit diesem kleinen Artikel lehne ich mich weit aus dem Fenster. Denn ich gebe frei und offen (unter heftigem Sabotagegeheul von Meier und Schmitz) zu:
„Ich bin nicht perfekt! Ich mache Fehler! Ziemlich dumme und lustige sogar!“

Das macht mich liebenswert und ehrlich, finde ich. Denn genauso ist es gemeint. Ich habe noch nie den Zustand erreicht, in dem ich das Gefühl hatte, dass ich zu 100% alles richtig mache. Mehr noch: Je weniger ich mich darum bemüht habe, desto besser ging es mir! Seltsam, oder?
Wenn ich es schaffe, meine selbsternannten Hansel M&S zu ignorieren oder sogar mit mütterlicher Geste voller Liebe an meinen Busen drücke (sie strampeln dann immer so süß), desto freier und unbeschwerter fühlt sich mein Leben an.

Wenn ich es nur einen Tag lang schaffe, mal nicht darüber nachzudenken, ob es richtig ist, was ich mache, was ich esse, was ich denke oder ob ich einfach mal faul auf dem Sofa sitze, ist alles gut. Dann fühlt es sich gut an, das Leben.
Das Witzige ist, dass ich genau dann voller Eifer bin, supergern arbeite, keine Süßigkeiten brauche (M&S sind nämlich zuckersüchtig, aber pssst...), mich mit Begeisterung in meiner geliebten Natur bewege und einfach alle Menschen anlächle, denen ich begegne.
Das ist mein perfektes Leben!
Dann ist mein Herz voller Kraft und Liebe, mein Körper strotzt nur so von Energie, ich kann herrliche Visionen in Bilder und Worte umsetzen und bin ein Segen für alle, die mit einem Engel auf Erden Spaß haben wollen.

Mein Fazit:
So oft wie möglich möchte ich in Zukunft die zur Einführung notierte Frage streichen: „Kann ein Mensch - wenn auch nur einmal in seinem Leben - alles richtig machen?“
Denn nein, es geht nicht. Es ist einfach nicht drin. Aus einem simplen Grund: Es gäbe keine Evolution, wenn niemand Fehler machen würde. Es gäbe nichts von all dem, was um uns herum ist, wenn alle alles immer so gemacht hätten, wie es die Familie, die Gesellschaft oder die Meiers und Schmitzens dieser Welt gesagt haben.
Wenn nicht mal jemand „aus dem Rahmen“ gefallen wäre, etwas Ver-Rücktes getan hätte oder schlichtweg in die andere Richtung, gegen den Strom geschwommen wäre, säßen wir immer noch auf Bäumen und würden uns am Hintern kratzen.

Also - hiermit rufe ich dazu auf, mit Mut und Tatendrang ganz viel Spaß daran zu haben, etwas „Falsches“ zu tun. Denn das ist meistens das Richtige. Wir sind schließlich alle anders, irgendwie. Glaube ich. Und ob das richtig ist.... wer weiß?

Habt Spaß!

Eure Sonja Ariel von Staden
im September 2011

www.sonjas-engelwelt.de und www.sternentore.de

 


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Autorin zum Thema Engel und Philosophie, Lebens- und Seelen-Beraterin

Ganzheitliche, spirituelle Künstlerin. Persönliche Schutzengel-, MeisterEssenz- und Wunschbilder. Lehrerin für „Angel Spirit Energy“.

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