Strategien gegen den Burnout (Teil 2)
Liebe Leserinnen und Leser,
die beste Strategie gegen den Burnout ist die Vorbeugung:
Die Präventionsstrategie
Wir sollten dem Burnout erst gar keine Chance geben sondern eine rechtzeitige und kontinuierliche Präventionsstrategie fahren.
Allerdings sind wir Menschen Meister der Selbsttäuschung und haben in bestimmten Situationen ein unerwartetes Durchhaltevermögen, das uns manchmal über längere Zeiträume eine schädliche Situation ertragen lässt.
Dazu bringen uns Sätze, die sich schon in der Kindheit bei uns verankert haben, wie z.B: “Man sollte nicht immer nur den leichtesten Weg gehen.“ Oder „Man muss schon durchhalten, um etwas zu erreichen.“
Vielleicht fallen auch Ihnen spontan ähnliche Sätze ein, die Sie für solche Situationen in sich tragen?
Es ist immer wieder erstaunlich, über welche langen Zeiträume sich so manch ein Burnout-Betroffener dahinschleppt, ohne die eigene Situation auf objektive Veränderungsmöglichkeiten zu überprüfen.
Der Satz, den ich zu Beginn einer Zusammenarbeit am meisten höre ist: „Ich würde ja gerne etwas an meiner Situation verbessern, aber ich habe keinen Einfluss darauf.“
Natürlich hat jemand, der sich als Opfer der Umstände betrachtet, keinen Einfluss auf irgendetwas. Die Struktur eines Unternehmens als Einzelner von innen heraus verändern zu wollen, ist ein Sisyphos-Unterfangen. Wer innerlich ständig dafür kämpft, dass sich die Umstände verändern sollen, ohne dass es dafür eine Offenheit gibt, rennt ständig vor die imaginäre Firmenwand, holt sich viele Beulen und begünstigt sein inneres Ausbrennen. Auch wer darauf wartet, dass es irgendwann einmal besser werden wird, befindet sich in einer Dulderhaltung, die einem selbst sicherlich nicht gut tut.
Darum ist die erste Maßnahme eine gezielte, intensive und individuelle Situationsanalyse.
Welche Arbeitsbedingungen sind beispielsweise besonders belastend?
Wie sind die Arbeitsbedingungen, gibt es hohen Zeitdruck, ist das Arbeitspensum zu hoch?
Gibt es dauernde Umstrukturierungen, ohne dass Mitarbeiter in Planung und Organisation eingebunden werden?
Ist die Angst vor Arbeitsplatzverlust und drohender Arbeitslosigkeit ein ständiges Damoklesschwert?
Wie sind die Beziehungen der Mitarbeiter untereinander, gibt es unklare Strukturen und unklare Kommunikation?
Wichtig ist es all das herauszufiltern, was belastet. Die Frage ist dabei weniger, ob die Arbeitsbedingungen und Umstände für die meisten Menschen erträglich sind, sondern wie speziell der Betroffene damit zurechtkommt.
Hier zeigt sich dann häufig, dass die Menschen an Stellen etwas verändern wollen, an denen sie tatsächlich nichts verändern können. Manchmal gilt es einfach Ja zu sagen: “Ja, die Umstände, unter denen ich arbeite, sind schlecht und sie werden sich wahrscheinlich nicht verbessern.“
In einem solchen Fall ist es sinnvoll, sich den eigenen Ängsten zu stellen. Der Angst vor Arbeitslosigkeit, beispielsweise. Wer diese Angst hat und sie nicht aufgreift, kann keine Alternativen entwickeln. Wer sich dieser Angst stellt, muss nicht gleich kündigen, sondern die Angst als Motor nutzen, die eigenen Handlungsfähigkeit zu aktivieren. Er wird sich selbst besser motivieren können, die Stellenanzeigen durchzusehen, eine andere Region oder eine andere Tätigkeit ins Auge zu fassen. Wer sich dieser Angst stellt, befreit sich selbst zu einem großen Teil.
Es gilt also immer wieder zu überprüfen, ob man denn wirklich nichts an der eigenen Situation tun kann.
Es gibt noch viele andere Beispiele und Möglichkeiten, sich selbst zu behindern. Darauf komme ich sicherlich noch in den nächsten „Strategien gegen den Burnout“.
Für mich als Therapeutin ist es immer wieder ein ganz wunderbarer Moment, in der ein Klient ein Aha-Erlebnis hat, dadurch handlungsfähig wird und sich plötzlich Freiheiten herausnimmt. Nicht immer geschieht das direkt in der Sitzung aber ich freue mich so manches Mal über die Auswirkungen.
Ihre Dörthe Huth
www.doerthe-huth.de
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