Psychologie: "Lisa" - Mobbing in der Schule... - Magersucht - Teil 1
„Die Coolen und die Un-Coolen!“ Mobbing in der Schule - Magersucht
Sollten Schulen bzw. schulische Einrichtungen für Kinder und Jugendliche nicht dem Zwecke dienen altersgemäßes Wissen und Werte zu vermittelt? Gleichzeitig einen nicht unwesentlichen Anteil an der Formung der Persönlichkeitsstruktur in Bezug auf Selbstbewusstsein und innerer Stärke zu haben? Die Entwicklung einer persönlichen Meinung zu unterstützen und Individualität zu fördern?
Jeder kennt es aus der eigenen, vielleicht längst vergangenen, Schulzeit. In den Klassen oder Schulgemeinschaften gruppieren sich schnell nach Beginn des neuen Schuljahres die Cliquen der „Coolen“ und automatisch im Gegenzug die der „Uncoolen“. Das alleine stellt noch kein Problem dar.
Die Schwierigkeit aus dieser Tatsache entwickelt sich erst im Umgang miteinander.
Oft sind es Kinder bzw. Jugendliche, ganz unscheinbar, still, etwas unsicher, mit einem Gewichtsproblem, einer Brille oder einer körperlichen Schwäche, die sich plötzlich auf der Seite der „Uncoolen“ wieder finden und damit noch mehr in ihre unfreiwillige Isolation hineingedrückt werden. Mobbing ist die nächste Stufe.
In meinem Fallbeispiel handelt es sich um ein junges Mädchen (Lisa 14), die nach und nach in die „Ungnade“ ihrer drei besten Freundinnen fällt. Lisa ist ein ganz „normaler“ Teenager mit altersbedingten Träumen und Freiheiten. Zu ihrer Mutter hat sie ein eher freundschaftliches Verhältnis und wird in ihrem Familienverband liebevoll gehalten. Ihre Freundinnen sind Mädchen, die aus dem Elternhaus heraus bereits sehr viele Freiheiten eingeräumt bekommen und sich entsprechend gegenseitig brüsten. Lisa kann nicht „mithalten“, sie darf an manchen Veranstaltungen nicht teilnehmen, muss früher nach Hause, ihr Taschengeld reicht nicht aus um sich ständig neue Modeartikel zu leisten und auch die Art und Weise ihrer Kleidung weicht immer deutlicher von der ihrer Freundinnen ab. Lisa versucht mit ihren Freundinnen, die sie immer wieder hänseln, zu reden, die Situation zu erklären; stößt aber nur auf Spott und Unverständnis. Die Sache eskaliert als Lisa sich weigert bei einer „coolen Tour“ mitzumachen. Sie fällt regelrecht in „Ungnade“!
Ab diesem Tag wird Lisa gemobbt! Keine der Freundinnen spricht mehr ein Wort mit ihr. In der Schule wird sie öffentlich laut ausgelacht, andere Jugendliche werden mit angestiftet sich über Lisa lustig zu machen. Es werden Geschichten über Lisa erzählt die bar jeder Realität sind, aber dass weiß nur Lisa und keiner scheint ihr zu glauben. Ihre Versuche der Rechtfertigung scheitern kläglich. Sie steht auf einmal ganz alleine da! Lisa’s schulische Leistungen fallen drastisch ab! Aber noch ist keine Ende in Sicht - es geht weiter – Lisa bekommt zu Hause zu den verschiedensten Tages- und Nachtzeiten anonyme Anrufe, SMS auf ihr Handy und Briefe! Eine Welle von Spott, Hass und Verleumdungen schlägt ihr entgegen und Lisa hat keine Ahnung was sie tun soll. Angst, Panikattacken, Schweißausbrüche, Übelkeit und Erbrechen sind Lisa’s seelische und körperliche Reaktionen.
Sie traut sich nicht mehr in die Schule zu gehen. Je mehr sie in ihre Hilflosigkeit versinkt desto mehr drehen die drei Mädels auf. Lisas Eltern werden aktiv! Sie bemühen sich um Gespräche mit den Vätern und Müttern der Mädchen! Fehlschlag! Sie informieren die Schulleitung! Fehlschlag! Man legt Lisa lediglich nahe die Schule zu wechseln. Lisa schleppt sich noch bis zu den Sommerferien durch diese Hölle und wechselt dann die Schule.
Das neue Schuljahr beginnt. Lisa begegnet ihren neuen Schulkameraden sehr scheu und ängstlich. Einige haben schon mitbekommen, dass die Neue an einer anderen Schule heftige Probleme hatte. Es gibt Mitschüler, die Schüler aus der alten Schule kennen und so geht das Gerede weiter, die Gerüchteküche kocht und die Angst gemoppt zu werden wächst wieder.
Für Lisa gibt es jetzt Tage an denen scheint alles in Ordnung zu sein, sie fühlt sich wohl und ihre schulischen Leistungen sind sehr gut. An anderen Tagen kann sie es kaum in der Schule aushalten, fühlt sich belächelt und beobachtet, oft geht sie früher nach Hause oder fehlt gänzlich.
Zwischenzeitlich hat sie sich dazu durchgerungen eine psychologische Therapie zu machen. Sie absolviert mehrere psychologische Sitzungen, kommt aber irgendwie nicht richtig mit der Psychologin zurecht, so dass sich trotz der Therapie keine positiven Veränderungen einstellen.
Aus ihrer großen Verzweiflung heraus lässt sich Lisa freiwillig stationär in ein psychiatrisches Krankenhaus einweisen und hofft hier auf psychologische Hilfe. Was sie jetzt erlebt verschlimmert ihre Situation noch viel mehr. In der Woche ihres Aufenthaltes werden weder Gespräche noch irgendeine andere Form der Therapie mit ihr unternommen. Es ist kaum zu glauben aber es geschieht absolut NICHTS! Ihrer Zimmergenossin geht es so schlecht, dass Lisa es nicht mehr aushält und die Klinik auf eigenen Wunsch wieder verlässt.
Lisa ist am Ende! Sie gerät in einen Sog der Angst, Panikattacken begleiten sie, Übelkeit und Erbrechen werden immer häufiger. Sie zieht sich in die Magersucht zurück. Sie macht sich jetzt selbst für ihre Situation verantwortlich und entzieht sich unter dem immer stärker werdenden Druck die Nahrung. Sie behauptet „sie hätte es nicht verdient zu essen“! Zusätzlich nimmt Lisa Abführmittel ein und magert in kürzester Zeit auf 37kg ab! Der Wettlauf mit der Zeit und der Magersucht beginnt.
Eine völlig verzweifelte Mutter ruft mich an und bittet mich ihrer Tochter zu helfen. Wir vereinbaren einen ersten Termin zum Kennen lernen und Vertrauen fassen. Wir beschnuppern uns und es funktioniert, wir finden einen Draht zueinander. In den folgenden Gesprächen erzählt Lisa immer mehr von ihren Gefühlen, Wünschen und Plänen für die Zukunft. Sie ist ein sehr intelligentes und engagiertes junges Mädchen. Es gelingt mir ihr zu vermitteln, dass nur, wenn sie wieder in die eigene Kraft zurückfindet, sie mit ihrem speziellen Berufswunsch, einen sehr bedeutsamen Anteil an der Entwicklung und somit am Leben vieler vieler Kinder haben könne. „Mens sana in corpore sano“ (Ein gesunder Geist in einem gesunden Körper), wie schon die alten Lateiner zu sagen pflegten.
Lisa’ s Gewicht steht jetzt bei 41kg. Sie erlaubt sich wieder zu essen, an bestimmten Tagen z.B. sonntags sogar mit Frühstück und einem richtige Mittagessen. Ihr Argument, dass dies nur sonntags möglich sei, damit sich ihre Verdauung wieder langsam an Nahrung gewöhnen könne, kann ich logisch entkräften und erkläre ihr, dass eine Verdauung, die am Sonntag super funktioniert, dies auch an einem Montag, Dienstag… usw. so tun wird. Darüber lacht sie, ich hatte sie „erwischt“, wir lachen beide. Ich spüre wie die Spannung und der Druck, die Lisa durch ihre disziplinierte Haltung aufgebaut hatte, endlich weicht. Sie wirkt plötzlich viel fröhlicher, sichtlich erleichtert. Darüber hatte sie überhaupt noch nicht nachgedacht, gesteht sie mir grinsend, erscheint ihr aber logisch. Wir vereinbaren eine Steigerung der Nahrungsaufnahme, setzen ein leicht erreichbares Nahziel und ein Fernziel. Es geht aufwärts, nicht nur mit dem Gewicht. Wir arbeiten gemeinsam an Verhaltensmechanismen, bauen neues Selbstbewusstsein auf und unterstützen Lisa’ s Wunsch nach Individualität. Sie beginnt den Rückweg in ihr, wie sie selbst sagt „neues Leben“!
Gerne stehe ich auch Ihnen mit Herz & Verstand liebevoll zur Seite!
Ihre *Heli*
„Praxis Life“ – Neues von der Waldhaus-Farm
Im Rahmen meiner Tätigkeit als Heilpraktikerin für Psychotherapie unterliege ich der Schweigepflicht und wahre die Anonymität meiner Patienten indem ich den Personen in meinen Fallbeispielen grundsätzlich andere Name gebe!
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traurige Geschichte
Liebe Heli, die Geschichte macht mich sehr traurig. Was tun unsere Kinder sich da an. Aber es wird ihnen ja von den "Erwachsenen" nicht anders vorgelebt. Ich beginne gerade mich mit dem Thema Essstörungen auseinanderzusetzen. Könnte selbst betroffen sein, bin mir aber nicht sicher. Auf jeden Fall bin ich erschrocken, denn ich habe mich zum Teil in dieser Lisa gefunden, obwohl ich aus dem Alter lang heraus bin. Bitte, schreiben sie weiter, ich bin gespannt auf die nächsten Artikel. Sie könnten mir helfen.
Alles liebe wünscht Tonja
Ich kann mich selbst auf allen EBENEN heilen und ich lasse es zu.
verbreitetes Phänomen
Liebe Heli, vielen, vielen Dank für Ihren interessanten beitrag. Mich hat das Schicksal dieses Mädchens sehr berührt. Ich hoffe sehr, sie bleibt auf ihrem guten Weg.
Meine kleine Tochter erlebt gerade ähnliches in der Schule. Sie ist ein sehr kluges Kind und hat im letzten Jahr mit der Schule begonnen. Ihre Mitschüler sind weniger das Problem, dafür hat die Lehrerin ein massives Problem mit ihr und versucht gar nicht, ds zu verstecken. All meine Bemühungen um ein klärendes Gespräch wurden abgeschmettert und auch bei der Schulleitung stoße ich mehr oder weniger auf taube Ohren. Man fällt eben nicht den eigenen Kollegen in den Rücken.
Das Zeugnis spricht Bände. An den Noten war ja nichts zu drehen,aber die Bewertungen für das soziale Verhalten waren niederschmetternd. Meine Kleine geht völlig in Selbstzweifeln auf.
Sie sehen, ich weiß wovon sie reden. In diesem Sinne freue ich mich schon auf weitere Beiträge von ihnen
und wünsche Ihnen alles Gute
Ich vergebe alle negativen Erfahrungen der Vergangenheit.